Was ist Yoga?

 „Yogash Chitta-Vritti- Nirodha – Yoga ist das zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geiste“. So hat große Rishi (Seher) Patanjali Yoga definiert. Zu lesen ist dies in seinem Grundlagenwerk der Yogapraxis, im Yoga Sutra.

Für uns Westler: Yoga ist ein jahrtausende altes indisches Übungssystem, welches das Ziel hat, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Um gleich ein gängiges Vorurteil auszuräumen: Yoga ist keine Religion:

„Yoga, as a way of life and a philosophy, can be practiced by anyone with inclination to undertake it, for yoga belongs to humanity as a whole. It is not the property of any one group or any one individual, but can be followed by any and all, in any corner of the globe, regardless of class, creed or religion.“ (K. Pattabhi Jois)

auf Deutsch: „Yoga ist eine Lebensweise und Philosophie und kann von jedem praktiziert werden, der dies tun möchte, denn Yoga gehört der Menschheit im Ganzen. Er ist kein Eigentum irgendeiner Gruppe oder eines Individuums, sondern kann von jedem und allen angewendet werden, in jeder Ecke des Globus, unagnhängig von Klasse, Glaube oder Religion.“

Yoga ist also eine religionsübergreifende Tradition, die durchaus spirituell sein kann. Etwa, wenn es dem Praktizierenden darum geht, den Sinn seines Lebens zu finden und Göttlichkeit zu erfahren. Das macht uns aber nicht zu Angehörigen einer bestimmten Religion.

Wie Swami Sivananda betonte: „Yoga kann einen Christen zu einem besseren Christen, einen Moslem zu einem besseren Moslem, einen Hindu zu einem besseren Hindu machen“.

Wenn es einem um Gesundheit geht, um Wohlbefinden, mehr Energie, Gelassenheit, Entspannung, ist Yoga durchaus eine säkulare Praxis – die wiederum der initiale Funke dafür sein kann, bewusster zu leben, egal, welche Religion der/die Übende ansonsten lebt.

Hatha Yoga – Der Yoga der fünf Säulen

Als ganzes Wort heißt „Hatha“ so viel wie Kraft, Anstrengung. Die einzelnen Silben jedoch bedeuten Sonne (Ha) und Mond (Tha). Also geht es im Hatha Yoga um die Harmonisierung dieser beiden Grundenergien: Der aktiven, feurigen „Ha“-Kraft und dem passiven, kühlenden „Tha“-_Aspekt. In einem Satz: Hatha Yoga ist ein System, das den Menschen als Ganzes sieht und somit gleichermaßen Körper, Geist und Seele harmonisiert. Damit unterscheidet sich Yoga von der körperbetonten Gymnastik.

Die Hauptschwerpunkte des Hatha Yoga nach Swami Sivananda, basieren auf fünf Säulen:

  • Asanas (Körperhaltungen)
  • Pranayama (Atemübungen)
  • Shavasana (Tiefenentspannung)
  • Positives Denken (unterstützt durch Meditation) sowie
  • Gesunde Ernährung.

Auf körperlicher Ebene gehört Hatha Yoga sicher zu den allumasssendsten Praktiken überhaupt. Wer regelmäßig übt, kann nicht nur seine Gelenkigkeit verbessern oder erhalten. Yoga wirkt zudem positiv auf

  • Koordination und Körperbalance
  • Muskeltonus und Körperhaltung
  • Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer
  • Herz- und Kreislaufsystem
  • Organsystem
  • Immunsystem.
Kundalini Yoga – Der Yoga der Energie

Kundalini Yoga ist verwandt mit dem Hatha Yoga, ist jedoch wesentlich dynamischer. Diese Form des Yoga konzentriert sich auf das Spüren der eigenen Lebensenergie. Es gibt etwa 50 Basis-Körperhaltungen  (Asanas), von denen einige auch aus dem Hatha-Yoga bekannt sind. Diese werden jedoch nicht statisch gehalten, sondern werden in Zusammenspiel mit dem Atem – teilweise mit dem „Feueratem“ bewegt. Überhaupt hat der Atem einen zentralen Stellenwert.Die Asanas sehen nicht ganz so komplex aus wie beim Hatha-Yoga. So gibt es etwa keinen Kopfstand. Jedoch werden jedoch nach einer strikten Reihenfolge ausgeführt. Dabei hat jede dieser „Kriyas“, also jede Bewegungsabfolge, eine besondere Wirkung auf den Körper, Geist und Seele, etwa die Stärkung des Immunsystems oder Reinigung – auf allen Ebenen.

Jede Kundalini-Serie berührt drei Ebenen:

1. Asana , die Körperhaltung
2. Pranayama, die Atemführung – langer Atem und Feueratem
3. Dhyana, die Meditation

Zu Beginn der Praxis ist es üblich, sich mit einem Mantra einzustimmen. Es heißt „Ong Namo Guru Dev Namo“ und bedeutet so viel wie: „Ich verneige mich vor der Überwindung der Dunkelheit, ich verneige mich vor dem Lehrer in mir“.

Zum Ausklang stimmt ein Kundalini-Yogi die Silbe „Sat Nam“ an. Das heißt so viel wie „Wahrheit ist mein Name“.

Ein Wort zur „Erleuchtung“: Es heißt, diese gelinge mit Kundalini Yoga 16 Mal so schnell wie mit Hatha-Yoga. Das mag sein, doch dafür müsste man schon jeden Morgen um 2 Uhr aufstehen und mindestens zwei Stunden praktizieren. Was relativ schnell spürbar ist: Ein unglaublich energisierendes Pulsieren, das manchmal entlang der Wirbelsäule durch den Körper strömt – ein Gefühl, das durchaus glücklich macht! Manche Frauen haben schon beschrieben, dies fühle sich an wie ein Orgasmus. Nun ja, ich mache seit 20 Jahren Kundalini Yoga, bestätigen kann ich das nicht…

 

Yin Yoga – Der Yoga des Loslassens

Dies ist ein ruhiger, sanfter Yogastil,  bei dem es nicht so sehr darum geht, Muskeln zu stärken und zu dehnen. Alle Asanas werden langsam aufgebaut und mindestens zwei Minuten passiv gehalten, oft auch mithilfe von Klötzen, Gurten oder Bolstern. Dadurch wird das Bindegewebe in den Muskeln, an den Muskelenden und zwischen den Muskeln erreicht. Das Prinzip: Wenn bestimmte Muskelpartien lange nicht mehr gedehnt wurden, kann es zu einer Verfilzung des Bindegewebes zwischen großen Muskelgruppen kommen. Diese werden förmlich bei langem Dehnen förmlich „aufgezogen“. In der Praxis ist Yin Yoga auch als Vorbereitung für andere Yogapraktiken toll, denn schon nach wenigen Minuten fühlt sich der Körper viel beweglicher und geschmeidiger an – sogar am frühen Morgen.

Vinyasa Flow – Der Yoga der bewegten Meditation

Vinyasa Flow ist ein dynamischer Yogastil, in dem Bewegung und Atmung ineinanderfließen wie bei einem Tanz. Basierend auf dem Sonnengruß werden verschiedene Körperpositionen variiert angeordnet, so dass eine harmonischer und kreativer Choreografie von Bewegungsabläufen entsteht. Im Vinyasa Yoga stehen die Asanas im Mittelpunkt. Sie fordern den Übenden sowohl körperlich als auch geistig und erhöhen so  Konzentration und Achtsamkeit. Deshalb nennt man Vinyasa Yoga auch „Meditation in der Bewegung“. Vinyasa Flow ist aus dem traditionellen Ashtanga Yoga entstanden (siehe weiter unten), das aber wesentlich strenger in der Bewegungsabfolge ist.

 

Ashtanga Yoga – Der Yoga der Transpiration …

Ashtanga Yoga gilt als einer der schweißtreibendsten, härtesten Yogastile überhaupt.

Doch nur Mut: Wir verbiegen uns hier nicht wie die Schlangengötter. Was den Stil jedoch ausmacht: Ashtanga Yoga wird kraftvoll-dynamisch praktiziert. Die Asanas werden in einem ganz bestimmten Bewegungsfluss geübt, welche den physischen und den energetischen Körper in Balance bringen sollen. Die Reihenfolge bleibt immer gleich. Die besondere Aufmerksamkeit gilt der Kontrolle des Atems, doch nicht etwa wie beim uns bekannten Hatha Yoga in der statischen Asana (Körperhaltung), sondern in der Synchronisierung von Atemfluss und dynamischen Bewegungsabläufen. Dies wird Vinyasa genannt, daher hat übrigens der ebenfalls atembetonte Vinyasa-Flow seinen Namen.

Dazu kommen Siegel oder „Ventile“, genannt „Bhandas“. Das bekannteste dürfte Mula Bhanda sein, der Beckenbodenverschluss zur Kanalisierung von Energien. Hierbei zieht man den Beckenboden nach oben, als ob man den Gang auf die Toilette verhalten müsste. Auch wichtig: Der feste Blickpunkt  (Dristi) bei der Durchführung der Asanas. Beipiele: Beim Dreieck (Trikonasana) schaut der Yogi auf die Hand, die sich zur Decke streckt, oder beim Liegestütz auf das Dritte Auge.Diese Dristis sind für jede Bewegung vorgegeben.

Die Elemente (Asana, Atem, Dristi) gleichzeitig zu beherrschen, kostet einiges an Konzentration – und Schweiß! An all das zu denken, während man praktiziert, das dauert Monate, wenn nicht Jahre. Da bleibt im Geist kein Platz mehr für „Hirnkino“, aber es hilft, die Aufmerksamkeit von außen nach innen zu richten und so den Geist zur Ruhe zu bringen. Und das ist das Ziel des Yoga.

Und warum nennt sich dieser Stil Ashtanga-Yoga?

Ashtanga heißt wörtlich überstezt Acht Glieder („ashtau“ heißt im Sanskrit Acht). Den achtgliedrigen Pfad hat ein Weiser namens Patanjali in seiner Schrift „Yoga Sutra“ beschrieben. Wobei dieses Fundament der klassichen Yoga-Philosophie sich nicht nur auf das oben beschriebene Ashtanga Yoga bezieht. Es ist der philosophische Unterbau aller klassischen Yoga-Stile.

Der achtgliedrige Pfad ist der Weg zur Selbstverwirklichung, und hier ist er:

  1. Yama – Ethische Disziplin
  2. Niyama – Selbstbeobachtung
  3. Asana – Haltung
  4. Pranayama – Atemkontrolle
  5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Zustand von Freude und Frieden

Als bedeutender Vertreter des Ashtanga Yoga gilt K. Pattabhi Jois, einer der frühen Schüler von T. Krishnamacharya. Das von ihm gelehrte Hatha-Yoga-System, das heute unter dem Namen „Ashtanga Yoga“ bzw. „Ashtanga (Vinyasa) Yoga“ bekannt ist, hat er selbst von dem großen Meister gelernt.